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Insolvenz bei Air Berlin - was bedeutet das?

Hinweis: Air Berlin hat seit dem 28. Oktober 2017 seinen Flugbetrieb vollständig eingestellt. Weitere Informationen finden Sie direkt bei Air Berlin https://www.airberlin.com/de/site/landingpages/flight_information.php.
Auf dieser Seite werden wir Sie weiter über Ihre Fluggastrechte informieren.

Die Insolvenz von Air Berlin in Eigenverwaltung haben wir bei Flightright zuerst einmal als ein gutes Zeichen gesehen. Da die Airline anscheinend davon überzeugt war, dass ihr Zukunftsplan so gut ist, um keinen fremden Insolvenzverwalter zu benötigen. Die ersten Tage nach der Insolvenz haben jedoch gezeigt, dass es erst einmal nur um die Aufrechterhaltung des Flugverkehrs ging. Mittlerweile hat Air Berlin am 27. Oktober ihren letzten Flug durchgeführt und den Betrieb eingestellt. Bisher wurde bekannt, dass Lufthansa zum Jahresende 81 der zuletzt etwa 130 Maschinen der Air-Berlin-Flotte übernehmen möchte. Allerdings muss Lufthansa die geplante Übernahme großer Teile von Air Berlin von der EU-Kommission kartellrechtlich prüfen lassen. Die nötigen Unterlagen habe Lufthansa am 31. Oktober in Brüssel eingereicht. Daneben will die britische Fluggesellschaft Easyjet 25 Maschinen von Air Berlin übernehmen. Auch diese Teilübernahme muss genehmigt werden. Am 1. November hat das Amtsgericht Charlottenburg das Insolvenzverfahren über die einzelnen Gesellschaften von Air Berlin eröffnet.
Bisher sieht es so aus, dass Kunden auf ihren Air Berlin-Tickets sitzen bleiben. Weder Easyjet noch Lufthansa wollen diese übernehmen. Bei Fluggästen bleiben Unsicherheiten zurück. Wir klären die wichtigsten Fragen für Sie.

Was sollte ich tun, wenn ich jetzt noch offene Forderungen gegen Air Berlin habe?

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Als Grundsatz gilt im Insolvenzrecht, dass die insolvente Gesellschaft bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens nichts mehr zahlen darf, soweit diese nicht zwingend zur Aufrechterhaltung des Unternehmens notwendig sind. Erst wenn das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist, wird ein “Kassensturz” vorgenommen. Sollte nach Abzug der Kosten für die Insolvenz und nach Befriedigung vorrangiger Gläubiger (dies wäre z. B. die Rückzahlung des Überbrückungskredits), noch Vermögen übrig sein, so wird dies anteilig an alle Gläubiger ausgezahlt. Niemand kann vorhersagen, welchen prozentualen Anteil der Forderung die einzelnen Schuldner bekommen. Gläubiger können ihre Forderungen schriftlich bis zum 1. Februar 2018 beim bisherigen Sachwalter Lucas Flöther anmelden. Die werden wir von Flightright für unsere Kunden und ihre Ansprüche auf Entschädigung machen.

Eine Auszahlung von Kompensationszahlungen ist aktuell leider nicht zulässig. Dementsprechend kann man auch für seine Flugverspätung oder Annullierungen bei Air Berlin momentan keine Entschädigung ausgezahlt bekommen. Es kann nur eine Forderung gegen die Insolvenzmasse gestellt werden. Am Ende des Insolvenzverfahrens wird dann das übrige Geld zu gleichen Teilen an alle Gläubiger ausgezahlt. Die durchschnittliche Quote, die Gläubiger bei einer Insolvenz bekommen liegt bei 2 bis 3 % der Forderungshöhe. Wie hoch die genaue Quote bei Air Berlin aussieht, wird man jedoch erst in der Zukunft sagen können.

Was bedeutet die Insolvenz für Flugreisende? (Flugausfälle, Tickets, etc.)

Am 27. Oktober 2017 sind die letzten Flüge von Air Berlin gelandet. Seit dem 28. Oktober finden keine Flüge mehr unter der Marke statt und Air Berlin ist von den Flughäfen verschwunden. Die Strecken, die von Air Berlin für Eurowings durchgeführt werden, finden weiterhin statt. Auch sind Flüge mit den Tochtergesellschaften Flyniki und LG Walter aktuell nicht von der Insolvenz und den damit verbundenen Flugstreichungen betroffen. Damit gibt es keine negativen Auswirkungen auf Passagiere.

Die Fluggesellschaften Lufthansa und Easyjet haben Interesse an Flugzeugen und Strecken von Air Berlin bekundet. Der Verkauf wird aktuell noch kartellrechtlich und auch von der EU geprüft. Dieser Prozess kann sich je nach der Tiefe der Prüfung um einige Zeit hinauszögern.

Mein Flug findet nicht mehr statt. Bekomme ich mein Geld zurück?

Durch die Einstellung des Flugbetriebs der Air Berlin bestehen weiterhin Unsicherheiten bei den Kunden, ob sie den Ticketpreis erstattet bekommen können. Air Berlin hat sich auf der eigenen Website öffentlich geäußert, dass Fluggäste, die nach Bekanntgabe der Insolvenz am 15. August 2017 einen Flug gebucht haben, den vollständigen Ticketpreis erstattet bekommen. Ein Treuhänder verwaltet die Einnahmen der Flugtickets, die nach dem 15. August 2017 getätigt wurden. Dadurch können die Ticketkosten im Falle einer Flugstreichung ausgezahlt werden.

Ist die Buchung jedoch vor dem 15. August 2017 erfolgt, kann keine Erstattung des Ticketpreises erfolgen. Wer davon betroffen ist, muss die Forderung im Insolvenzverfahren anmelden. Dies geht noch bis zum 1. Februar 2018. Dafür muss eine schriftliche Anfrage an den aktuellen Insolvenzverwalter Lucas Flöther gestellt werden. Zudem sind durch die Insolvenz von Air Berlin auch keine Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften möglich - die normalerweise laut EU-Fluggastrechteverordnung zustehen.

Kann ich in Zukunft noch Flyniki-Tickets buchen?

Niki ist nicht betroffen - aktuell scheint es so zu sein, dass ein Weiterbetrieb der Niki unter dem neuen Besitzer Lufthansa recht wahrscheinlich ist.
Laut Website von Air Berlin können weiterhin Flyniki-Flüge gebucht werden.

Ich habe eine Pauschalreise gebucht und mein Flug geht mit Air Berlin. Was muss ich tun?

Generell ist zu unterscheiden, ob Sie einen Flug direkt bei Air Berlin gebucht haben, oder bei einem Reiseveranstalter. Im letzteren Fall haben Sie einen Vertrag mit dem Reiseveranstalter und nicht mit der Airline. Sollte Air Berlin den Flug nicht ausführen können, muss der Reiseveranstalter für einen Ersatzflug sorgen - notfalls mit einer anderen Airline.

Aber Achtung: Haben Sie Ihre Reise über eine Buchungsplattform im Internet gebucht, ist dies meistens kein Reiseveranstalter. Reisevermittler und auch Reisebüros haften nicht. Gerade der Beförderungsvertrag wird hier direkt mit der Airline geschlossen, wenn kein bekannter Reiseveranstalter dazwischen geschaltet ist. Achten Sie immer auf das Kleingedruckte.

Wenn Sie einen Vertrag direkt mit einer Airline haben und diese insolvent geht, dann kommt es ganz auf den Insolvenzverwalter an.

Was geschieht mit meinen Meilen bei Topbonus?

Das Meilenprogramm von Air Berlin “Topbonus” ist ein eigenständiges Joint Venture von Air Berlin und Etihad. Nachdem Topbonus für Etihad offensichtlich keinen Wert mehr hatte, hat Topbonus am 25. August bekannt gegeben, dass es ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt hat. Seit Ende September ist das Sammeln und Einlösen von Meilen jedoch wieder möglich. Die Meilen können nicht für Flüge eingelöst werden. Dafür jedoch unter anderem in Gutscheine für den Autovermieter Sixt umgetauscht werden.

(Stand: 03. November 2017)