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Flugjahr 2022: Das große Versagen der deutschen Airlines und Flughäfen

– Die riesige Kluft zwischen Flugangebot und Personal –

Das Flugjahr 2022 war besonders im Sommer von chaotischen Zuständen bei den Airlines und an Flughäfen geprägt. Diese waren von der massiven Nachfrage an Flügen nach der Pandemie vermeintlich so überrascht und unvorbereitet, dass es zu tausenden Flugverspätungen und -annullierungen kam. In Deutschland war die Lage besonders angespannt. Allen voran machte die Lufthansa-Group aufgrund von eklatantem Missmanagement, Flugausfällen und Streiks negativ auf sich aufmerksam. „Die Flugreisenden haben sich 2022 urlaubshungrig auf ein Flugangebot gestürzt, welches Airlines und Airports in dem Umfang gar nicht hätten anbieten dürfen. Denn die Kluft zwischen dem Volumen an Flugangeboten und dem Personal zur Abwicklung der Flüge war offensichtlich viel zu groß, um rechtzeitig geschlossen zu werden“, resümiert Dr. Jan-Frederik Arnold, Geschäftsführer von Flightright.

Kein Flugjahr wie jedes andere 

Die Anzahl der stornierten Abflüge aus Deutschland im Zeitraum vom 01.01.2022 bis 31.12.22 lag knapp 25 Prozent höher als im gleichen Zeitraum im Jahr 2019, dem letzten normalen Flugjahr vor der Pandemie. Bei den Verspätungszeiten gibt es einen geringeren Unterschied in den Jahren. Im Vergleichszeitraum 2019 hatten 21,21 Prozent der Abflüge aus Deutschland eine Mindestverspätungszeit von 15 Minuten. In 2022 waren es 23,06 Prozent. Im Sommerzeitraum vom 01.06.22 – 31.08.22 lag die Anzahl der stornierten Abflüge aus Deutschland um 44 Prozent höher als im gleichen Zeitraum 2019. Eine Mindestverspätungszeit von 15 Minuten hatten im Sommer 2019 25,75 Prozent aller Abflüge aus Deutschland. 2022 waren es 30,65 Prozent. „Mit einem solchen Flugchaos hatten am Anfang des Jahres wohl die wenigsten gerechnet.  Doch zwischen März und April begannen die Probleme der Airlines und Flughäfen größer und größer zu werden und immer mehr Flugreisende meldeten Probleme. Im Sommer erreichte die Anzahl an Verspätungen und Stornierungen bei vielen Airlines und Flughäfen, vor allem in Deutschland, Höchstwerte“, so Dr. Arnold weiter.

Stornierungen und Verspätungen nach Ländern

RangLandStornierungen (%)StornierungenVerspätungen (%)VerspätungenFlüge
1Norwegen2,44 %7.33712,84 %38.574300.388
2Niederlande2,15 %5.02427,62 %64.472233.450
3Deutschland2,04 %13.31123,06 %150.586652.998
4Portugal1,54 %3.25327,12 %57.223210.999
5Großbritannien1,46 %11.88924,68 %201.107814.869
6Frankreich1,14 %6.96421,30 %130.352611.996
7Italien1,00 %6.11020,99 %127.787608.718
8Griechenland0,55 %1.33825,69 %62.667243.965
9Türkei0,49 %82629,56 %49.637167.922
10Spanien0,39 %3.48514,89 %131.625884.208

Im europäischen Vergleich steht Deutschland schlecht da

Vergleicht man die zehn europäischen Staaten mit den meisten Abflügen im Zeitraum vom 01.01.2022 bis 31.12.2022, wurden hierzulande 13.311 Flüge gestrichen. Das sind die meisten Flüge in ganz Europa. Bezogen auf die Gesamtanzahl der Abflüge landet Deutschland mit 2,04 Prozent an gestrichenen Flügen damit auf dem dritten Platz. Nur in den Niederlanden (2,15 %) und in Norwegen (2,44 %) wurden prozentual noch mehr Flüge gestrichen. Bei rund ein Prozent stornierter Flüge sprechen wir von einem normalen Verhältnis. Eine Mindestverspätungszeit von 15 Minuten hatten insgesamt 150.586 Abflüge aus Deutschland (23,06 %). Für Dr. Arnold steht fest: Dass Deutschland bei den Stornierungen im europäischen Vergleich einen der Spitzenplätze einnimmt, hängt stark mit den Problemen bei der Lufthansa-Group zusammen. Sie sind dafür verantwortlich, dass hierzulande tausende Flugreisende nur mit großen Verspätungen oder in vielen Fällen gar nicht verreisen konnten. Die fälligen Entschädigungszahlungen an die Flugreisenden zahlt die Lufthansa oft stark verspätet oder gar nicht und das ist mit sehr großem Aufwand und gerichtlichen Klagen verbunden.

Deutsche Airlines schneiden miserabel ab

Wie die Analyse nach Airlines zeigt, kommen gleich drei der sieben Airlines mit den prozentual meisten Stornierungen aus Deutschland. Auffällig ist, dass alle drei Airlines zur Lufthansa-Group gehören. Bei den Verspätungen sticht vor allem Lufthansa hervor, bei der 31,78 Prozent aller Abflüge und somit knapp jeder dritte Flug eine Mindestverspätungszeit von 15 Minuten hatte. Low-Cost-Anbieter wie EasyJet, Ryanair oder auch Wizz Air schnitten damit besser als Premium-Airlines wie Lufthansa, KLM oder British Airways ab. Die Ursache für das schlechte Abschneiden der Airlines der Lufthansa-Group sieht Dr. Arnold unter anderem „im unzureichenden Weitblick des Lufthansa-Managements. Denn Umfragen hatten bereits Anfang des Jahres 2022 ein großes Interesse an Urlaubs- und Flugreisen, vor allem im Sommer, vorhergesagt. Sie hätten also für die Bewältigung des vorhergesagten Ansturms rechtzeitig neues Personal einstellen und schulen können. Zudem wurden die Flugpläne frühzeitig erstellt und die Kapazitäten hätten somit klar sein müssen.“ Die ehemalige deutsche Vorzeige-Airline hat sich laut Dr. Arnold durch übertriebene Sparmaßnahmen und betriebsinterne Konflikte mit dem Bodenpersonal und den Pilot:innen „in eine extreme Schieflage gebracht und viel Vertrauen bei zahlreichen Passager:innen eingebüßt.“

Stornierungen und Verspätungen nach Airlines

RangAirlineStornierungen (%)StornierungenVerspätungen (%)VerspätungenFlüge
1KLM Cityhopper5,22 %5.55019,66 %20.920106.386
2SAS4,75 %5.81722,10 %27.053122.387
3Eurowings3,93 %4.4482,41 %2.726113.153
4Lufthansa CityLine2,83 %2.58123,59 %21.50991.174
5Wideroe’s Flyveselskap2,82 %3.4375,92 %7.226122.021
6British Airways2,35 %5.07333,39 %72.096215.932
7Lufthansa2,25 %6.46531,78 %91.342287.390
8KLM1,81 %1.97025,23 %27.380108.541
9easyJet1,64 %8.06530,83 %151.545491.471
10Austrian1,21 %1.17217,97 %17.35996.584
11Wizz Air1,06 %2.29821,29 %46.042216.216
12Turkish Airlines1,02 %1.32837,05 %48.100129.830
13Air France0,79 %1.74726,19 %58.134221.978
14Finnair0,60 %54821,93 %20.00191.216
15LOT Polish Airlines0,56 %48224,69 %21.21385.930
16Ryanair0,38 %3.45018,89 %170.089900.589
17ITA Airways0,31 %31118,54 %18.729101.044
18Vueling0,06 %11916,52 %32.787198.454
19Jet20,05 %5032,19 %29.29390.996
20Iberia0,03 %498,89 %14.855167.136

Großes Chaos an deutschen Flughäfen

Vier der sieben europäischen Flughäfen mit den prozentual meisten Stornierungen im Jahr 2022 befanden sich in Deutschland. Der Flughafen Düsseldorf schafft es dabei mit 2,45 Prozent an stornierten Flügen auf den unrühmlichen ersten Platz, der Flughafen Frankfurt verpasste das Treppchen mit 2,14 Prozent nur knapp und landete auf dem vierten Platz. Bei rund ein Prozent stornierter Flüge sprechen wir von einem normalen Verhältnis. Die Flughäfen Düsseldorf und Frankfurt hatten im Jahr 2022 also mehr als doppelt so viele Stornierungen wie gewöhnlich. Der Flughafen Frankfurt hat zudem mit 3.986 Flugstornierungen im Jahr 2022 in absoluten Zahlen nach dem Flughafen in Amsterdam die zweitmeisten Stornierungen in Europa. Bei den absoluten Abflügen mit Verspätungen ist der Flughafen Frankfurt mit 59.190 verspäteten Abflügen sogar Spitzenreiter. Für die vielen Stornierungen und Verspätungen an den Flughäfen sind neben dem Missmanagement vieler Airlines auch die Flughäfen mitverantwortlich, die für einen solchen Passagier:innenansturm oft nicht vorbereitet waren und nach der Hochphase der Pandemie zu wenig Personal eingestellt hatten.

Stornierungen und Verspätungen nach Flughäfen

RangFlughafenStornierungen (%)StornierungenVerspätungen (%)Verspätungen Flüge
1Düsseldorf2,45 %1.61713,42 %8.84065.873
2Amsterdam2,37 %4.84428,16 %57.563204.395
3Oslo 2,26 %2.22417,31 %17.02898.363
4Frankfurt2,14 %3.98631,74 %59.190186.465
5Berlin (Brandenburg)1,83 %1.32023,56 %16.96671.998
6London (Heathrow)1,80 %3.48629,64 %57.500194.017
7München1,78 %2.37829,64 %35.816133.442
8Mailand1,77 %1.36726,32 %20.27477.042
9Kopenhagen1,69 %1.57719,53 %18.25193.464
10Lissabon1,60 %1.57934,57 %34.01998.409
11Stockholm1,54 %1.41117,29 %15.88291.840
12London (Gatwick)1,51 %1.63630,51 %32.973108.068
13Brüssel1,40 %1.02522,56 %16.54873.365
14Zürich1,09 %1.00725,04 %23.21792.712
15Wien1,07 %99817,63 %16.48793.535
16Paris (Charles de Gaulle)0,97 %1.82230,34 %57.115188.280
17Manchester0,94 %71227,98 %21.29276.095
18Dublin0,92 %91623,24 %23.15799.651
19Paris (Orly)0,91 %90914,97 %14.998100.190
20Rom0,69 %80320,03 %23.360116.647
21Palma de Mallorca0,64 %62819,26 %19.02798.798
22Athen0,56 %52124,25 %22.65393.401
23Barcelona (El Prat)0,52 %69716,90 %22.524133.240
24London (Stansted)0,42 %32118,85 %14.36876.221
25Madrid0,29 %50113,10 %22.327170.435

Flugprobleme auch im Jahr 2023 erwartet

Derzeit sind die Prognosen für die Nachfrage bei privaten als auch bei geschäftlichen Flugreisen für das neue Jahr positiv und eine weitere Erholung wird erwartet. Ob sich der Flugverkehr wirklich weiter positiv entwickelt, hängt unseres Erachtens stark von der gesamtwirtschaftlichen Lage ab und welche Belastungen noch auf die Verbraucher:innen zukommen. Wir gehen jedoch davon aus, dass Passagier:innen auch in 2023 wieder Geduld benötigen. Zwar wird sich die Personallage weiter entspannen, aber dennoch wird der Ablauf nicht so reibungslos wie in 2019 sein. Zudem werden aufgrund der hohen Inflation Streiks mehr als wahrscheinlich sein. Es bleibt zu hoffen, dass Airlines und Flughäfen für 2023 ausreichend Personal einstellen, damit das Flugaufkommen wieder besser bewältigt werden kann. Für die Sommerferien 2023 erwarten wir also keine vollständige Normalisierung. Auch wenn wir in den Herbstferien, abgesehen von Eurowings, eine positive Entwicklung bei allen Airlines gesehen haben, denken wir, dass neben den anderen Airlines besonders die Lufthansa-Group auch im Sommer 2023 wieder größere Probleme haben wird“, so Dr. Jan-Frederik Arnold, Geschäftsführer von Flightright. 

Disclaimer:

Alle Angaben der Pressemitteilung basieren auf den uns zur Verfügung stehenden Daten. Die Daten sind zuverlässig, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie erfassen den Zeitraum vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022.

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